Veröffentlichungsgeschichte der Tönnies Gesamtausgabe

Nach langjähriger Planung und Vorbereitung erschien 1998 mit TG 22 der erste Band der auf 24 Bände angelegten Edition. Der Band wurde von Lars Clausen bearbeitet und umfasst die Jahre 1932 bis 1936. Inhaltlicher Schwerpunkt ist die Monographie „Geist der Neuzeit“.

Am 8. Oktober 1998 überreichte der damalige Präsident der Ferdinand-Tönnies-Gesellschaft, Professor Dr. Lars Clausen, den ersten Band der Tönnies Gesamtausgabe an die Schleswig-Holsteinische Ministerpräsidentin Heide Simonis. Bei der Übergabe waren Editoren und Mitarbeiter der FTG anwesend. Von links nach rechts: Prof. Dr. Lars Clausen (Präsident), Dr. Rolf Fechner (Wissenschaftlicher Referent), Prof. Dr. Alexander Deichsel, Dr. Carsten Schlüter-Knauer, Dr. Uwe Carstens (Geschäftsführer), Ministerpräsidentin Heide Simonis, Dr. Jürgen Zander.

1999 erschien Band 9, der den Zeitraum 1911 bis 1915 umfasst. Schwerpunkt dieses von Arno Mohr in Zusammenarbeit mit Rolf Fechner herausgegebenen Bandes ist die Monografie „Englische Weltpolitik in englischer Beleuchtung“.

Mit dem Band 15 legte Dieter Haselbach im Dezember 2000 das dritte Stück der TG vor. Der Band enthält die kleine Monographie „Innere Kolonisation in Preußen“ und den ersten Teil von „Soziologische Studien und Kritiken“, in denen Tönnies seine wichtigsten Werke sammelte. Zusätzlich enthält der Band Aufsätze aus dem Jahr 1923.

Mit einem Schwerpunkt des Lebenswerkes von Ferdinand Tönnies setzt sich der 2002 erschienene und von Alexander Deichsel, Rolf Fechner und Rainer Waßner herausgegebene Band 14 der TG auseinander: Er enthält die „Kritik der öffentlichen Meinung“, Tönnies’ umfangreichstes Werk in der angewandten Soziologie.

Brigitte Zander-Lüllwitz und Jürgen Zander legten 2006 den Teilband 23,2 der TG mit den „Nachgelassenen Schriften der Jahre 1919 bis 1936“ vor. Besonders Tönnies’ dezidierter Einsatz für die neue Demokratie in Deutschland verlangt hier Aufmerksamkeit.

Der 2008 erschienenen Band 10 der TG, bearbeitet von Arno Mohr und Rolf Fechner, dokumentiert Tönnies’ publizistischen Einsatz im Ersten Weltkrieg. Tönnies präsentiert sich als Patriot, gleichzeitig aber als scharfer Kritiker von nationalistischen Allmachtsphantasien.

2009 gaben Arno Bammé und Rolf Fechner Band 7 der TG heraus. Die systematisch wohl bedeutendste Schrift ist „Philosophische Terminologie in psychologisch-soziologischer Ansicht“, sie enthält den Kern einer Soziologie der Sprache. Kurze Monographien zu Friedrich Schiller und zum Strafrecht sowie viele energische politische Interventionen aus den Jahren 1905 und 1906 dokumentieren das weite Spektrum der publizistischen Arbeit Tönnies’.

2016 erschien Band 22,2 mit Ergänzungen zum „Geist der Neuzeit“. Uwe und Bärbel Carstens dokumentieren lange als verschollen gegoltene Vorstudien und Manuskripte für weitere Teile, die als Folgeband zum „Geist der Neuzeit“ geplant waren.

2018 erschien TG 5 mit Arbeiten aus der Zeit von 1900 bis 1904, wieder von Bärbel und Uwe Carstens herausgegeben. Auch Band 6 wird sich mit diesem Zeitraum befassen.

Band 2 enthält das Hauptwerk Ferdinand Tönniesʼ „Gemeinschaft und Gesellschaft“. Er erschien 2019, bearbeitet durch Bettina Clausen (†) und Dieter Haselbach. Die kritische Edition dokumentiert die Entwicklung des Textes vom ersten handschriftlichen Konzept von 1880 bis hin zur Ausgabe letzter Hand von 1935. Besonders eindringlich spiegelt sich die wechselvolle Werkgeschichte in den für die sechs Auflagen jeweils neu verfassten Vorreden. Der umfangreiche editorische Bericht dokumentiert die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Werks und zeigt Bezüge zum übrigen Werk Tönnies’ auf.

Im August 2021 wurde Band 21, herausgegeben von Dieter Haselbach, veröffentlicht. Das Buch deckt das Jahr 1931 ab und enthält Tönniesʼ „Einführung in die Soziologie“, sein letztes systematisches Werk zur entstehenden Disziplin. Energische politische Interventionen zeigen Tönnies Engagement für die Weimarer Demokratie und seinen Kampf gegen Radikalisierung in der politischen Krise.

Derzeit wird die TG betreut von den Herausgebern Dieter Haselbach (federführend), Alexander Deichsel, Cornelius Bickel und Carsten Schlüter-Knauer.